Kettenblatt – Lochkreis und BDC einfach erklärt
In der guten alten Zeit, als das Fahrrad noch ein Laufrad war und keinen integrierten Antrieb hatte, brauchte man noch kein Kettenblatt. Wofür auch, es war ja auch keine Fahrradkette vorhanden. Als ein findiger Mensch den Kettenantrieb für das Fahrrad erfand – es war wohl ein Schweizer und somit kein Fahrrad sondern ein Velo – wurden besondere Zusatzteile benötigt, um den Antrieb gut nutzen zu können. Das Kettenblatt ist eines dieser Zusatzteile. Es befindet sich am vorderen Ende des Kettenantriebs und ist an der Kurbel befestigt.
In erster Linie dient es der Aufnahme der Kette, die durch die vorhandenen und in die Kettenglieder greifenden Dornen bewegt wird. So wird die Kraft des Fahrers auf die Kette übertragen, die sie schließlich über den Zahnkranz an das Hinterrad überträgt. Die Kettenblätter müssen perfekt zur jeweiligen Tretkurbel, die die Kraft der Pedale aufnimmt, passen. Da es unterschiedliche Schaltungen und Tretkurbelsysteme gibt, gibt es natürlich auch die entsprechende Anzahl unterschiedlicher Kettenblätter. Es hängt von der Anzahl und der Anordnung der Befestigungslöcher, die auf den Befestigungsarmen liegen, ab, welche Kettenblätter verwendet werden müssen. Man kann die Tretkurbeln und so auch die Kettenblätter in zwei Hauptgruppen unterteilen. Dies sind die 5-Arm-Kurbeln und die 4-Arm-Kurbeln, die sich durch die Befestigungslöcher auf dem Lochkreis unterscheiden.
Gängige Beispiele hierfür sind:
Der Lochkreisdurchmesser variiert von 56mm bis 151mm. Auch der Lochabstand muss passen. Hier gibt es Abstände von 32,9mm bis hin zu 88,8mm. Die Zähne, welche in die Kette greifen, sind an die Größen der Blätter angepasst. Ihre Anzahl liegt im Bereich von 20 bis 44 bei dem kleinsten Blatt des Systems, bis hin zu 30 bis 58 Zähne des größten Blattes. Zudem sind auch noch Kompaktkurbeln erhältlich, die weitere Möglichkeiten zulassen.
Der Lochkreis oder BDC einfach erklärt
Der Lochkreis an sich ist ein imaginärer Kreis, auf welchem sich die Löcher in einer bestimmten Anzahl, in einer bestimmten Anordnung und mit einem bestimmten Abstand befinden. Um den richtigen Lochkreis zu finden, sollte einfach die Tretkurbel betrachtet werden. Diese gibt genaue Auskunft über das Aussehen des zu verwendenden Lochkreises.
Um sich einen Lochkreis im Bereich Fahrrad und Antrieb besser vorstellen zu können, gibt es ein einfaches Beispiel:
Betrachten wir uns sich eine Jacke von vorne, erkennen wir schnell wie sie geschlossen wird. Auf der einen Seite befinden sich die Knöpfe, auf der anderen Seite befinden sich die Knopflöcher. Im günstigsten Fall sind die Knöpfe auf genau der gleichen Höhe angebracht, wie die Knopflöcher auf der anderen Seite. Schließt man nun die Jacke, passen die beiden Teile perfekt aufeinander, werden zusammengehalten und wärmen den Träger.
Ebenso verhält es sich mit dem Lochkreis. Auf der einen Seite befindet sich die Tretkurbel mit den Befestigungsarmen (Knöpfe), auf der anderen Seite der Lochkreis mit den Aufnahmen (Löchern).
Übersicht der verschiedenen Lochkreise
An dieser Stelle findet ihr eine kompakte Übersicht aller gängigen Lochkreise mit eine paar Randinformationen.
| Lockreis | Zähnezahl | Verwendung |
| 58 | 20-24 | 5 Arm, Shimano Compact MTB, MTB kleines Ritzel |
| 64 | 22-24 | 4 Arm Shimano, MTB kleines Ritzel |
| 74 | 24-36 | Shimano Standard, Shimano/Campa Rennrad, 3fach kleines Ritzel |
| 94 | 30-50 | Shimano Kompakt, MTB mittleres/großes Ritzel |
| 102 | 32 | Shimano XTR ab 2004, mittleres Ritzel |
| 104 | 32-50 | 4 Arm Shimano, MTB mittleres/großes Ritzel |
| 110 | 34-54 | Rennrad Kompakt, MTB mittleres/großes Ritzel Standard |
| 130 | 38-57 | Shimano Rennrad |
| 135 | 39-57 | Campagnolo Rennrad |
| 144 | 41-54 | Campagnolo Race bis 1990, Shimano/Campagnolo Pista |
| 146 | 44 | Shimano XTR großes Ritzel |
Montage, Pflege und Wartung von Kettenblättern
Wie jede Mechanik, jedes mechanische Teil und jede Maschine, muss auch das Fahrrad und hier vor allem der Antrieb entsprechend gepflegt, gewartet und montiert sein. Gerade die Schaltung muss perfekt montiert sein. Nur so kann ein einwandfreies und sauberes Gangwechseln gewährleistet werden und die investierte Kraft des Fahrers kann größtenteils zum Antrieb genutzt werden. Die Schrauben, nicht nur an den Kettenblättern, überall am Fahrrad, sollten sicher befestigt sein. Normalerweise gibt der Fahrradhersteller die entsprechenden Drehmomente für die einzelnen Schraubengruppen mit an. Mit einem entsprechenden Drehmomentschlüssel lassen sich die Angaben bestens einhalten.
Manche Fahrradfahrer fetten ihre Schrauben. Dadurch bleiben sie gängig und relativ locker. Werden diese Schrauben allerdings nicht in regelmäßigen Abständen kontrolliert, haben die Fahrradfahrer schnell eine Schraube locker. Einige Monteure sichern sich die Schrauben mit einem so genannten Schraubenkleber. Hier findet vor allem Loctite gerne Verwendung. Die Schraube wird durch diesen Kleber gefestigt und zusätzlich vor Korrosion geschützt. Wenn natürlich eine Schraube, welche mit Loctite befestigt wurde, abgeschraubt werden soll, ist eine nicht unbeträchtliche Kraft nötig. Die Losbrechmomente bei Loctite liegen zwischen 15 und 40 NM.
Erfahrene „Schrauber“ fetten die Schrauben vorsichtig, ziehen sie nach Gefühl fest an und sichern sie mit etwas Kleber. Alle paar Wochen, einmal im Monat beispielsweise, sollten alle Schrauben am Rad untersucht werden. So ist sichergestellt dass das Fahrrad in einem guten Zustand ist und keine Gefahr besteht ein Teil durch die Vibrationen zu verlieren. Kettenblätter, Tretkurbeln, Schrauben und Drehmoment. Wer möchte, kann auch aus der Pflege und Wartung eines Bobbycars eine Wissenschaft machen. Wer mit seinem gesunden Menschenverstand, einigermaßen fachlich informiert und mit Freude an die Wartung, Montage und Pflege seines Rades herangeht, ist wohl immer auf der sicheren Seite.
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